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Selbstständig machen: Auf diese 10 Mythen solltest du nicht hereinfallen

Geschrieben von: Tino Keller

Aktualisiert am: Februar 10, 2026

Lesezeit: 7 Minuten

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Viele denken bei Selbstständigkeit sofort an Dauerstress, hohe Steuern oder das Gefühl, „dafür nicht gemacht zu sein“. Kein Wunder – rund um das Thema kursieren zahlreiche Mythen, die mehr verunsichern als helfen. In diesem Artikel schauen wir uns 10 besonders hartnäckige Mythen über Selbstständigkeit in Deutschland genauer an und ordnen sie realistisch ein. 

Mythen rund um die Selbstständigkeit – kurz zusammengefasst

  • Viele Mythen zeichnen ein extremes Bild von Selbstständigkeit. Weder Dauerstress noch völlige Freiheit sind der Normalfall – die Realität liegt meist dazwischen.
  • Steuern und Bürokratie wirken komplizierter, als sie sind. Es gibt klare Regeln, Freibeträge und digitale Hilfsmittel – nicht alles ist Pflicht oder so aufwendig, wie oft behauptet wird.
  • Erfolg, Einkommen und Arbeitszeit sind kein Automatismus. Sie hängen stark vom Geschäftsmodell, der Planung und der eigenen Positionierung ab – nicht vom Status „selbstständig“.
  • Selbstständigkeit ist flexibler und lernbarer als viele denken. Weder ein Studium noch ein Vollzeitstart sind zwingend notwendig, um erfolgreich zu starten.

Mythos 1: Selbstständige arbeiten rund um die Uhr und haben nie Freizeit?

Falsch

Das Bild vom permanent überarbeiteten Selbstständigen hält sich hartnäckig – ist aber zu pauschal. Zwar arbeiten viele Selbstständige phasenweise mehr als Angestellte, vor allem in der Gründungszeit oder bei hoher Auftragslage. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen, dass nicht alle Selbstständigen automatisch länger arbeiten.

Laut der Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kommen Solo-Selbstständige im Durchschnitt auf 37,7 Stunden pro Woche. Zum Vergleich: abhängig Beschäftigte arbeiten im Schnitt 43,0 Stunden. Deutlich höher liegt die Arbeitszeit bei Selbstständigen mit Mitarbeitenden, die durchschnittlich 47,8 Stunden pro Woche arbeiten.

Was sich allerdings unterscheidet, ist die Verteilung der Arbeitszeit. Rund 36 % der Selbstständigen arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche, außerdem ist Wochenendarbeit deutlich verbreiteter. Dafür haben viele Selbstständige mehr zeitliche Autonomie und können ihre Arbeitszeiten flexibler an Projekte und private Bedürfnisse anpassen.

Mythos 2: Man macht als Selbstständige:r nur Projekte, die man wirklich mag?

Falsch

Die Vorstellung, als Selbstständige:r nur noch Wunschprojekte umzusetzen, ist weit verbreitet – trifft aber vor allem nicht auf die Anfangsphase zu. Gerade zu Beginn sind viele darauf angewiesen, auch Aufträge anzunehmen, die vor allem wirtschaftlich sinnvoll sind.

Das bestätigt auch die Praxis: In einer Freelancer-Studie aus dem Jahr 2024gaben 51 % der Freelancer:innen an, Schwierigkeiten bei der Projektakquise zu haben. In solchen Phasen steht weniger die perfekte Passung im Vordergrund, sondern die Sicherung von Einkommen und Auslastung.

Mit wachsender Erfahrung verändert sich das Bild. Wer sich klar positioniert, Referenzen aufbaut und verlässliche Kund:innen gewinnt, kann zunehmend selektiver arbeiten. Viele Selbstständige berichten, dass sie erst nach einiger Zeit bewusst Projekte ablehnen – etwa wegen zu niedriger Honorare, fehlender Kapazitäten oder schlechter Zusammenarbeit.

Mythos 3: Braucht man ein Studium oder muss für die Selbstständigkeit geboren sein?

Falsch

Viele glauben, Selbstständigkeit sei nur etwas für Akademiker:innen oder „geborene Unternehmer:innen“. Tatsächlich ist das in den meisten Fällen nicht zutreffend. Für viele selbstständige Tätigkeiten in Deutschland gibt es keine formalen Zugangsvoraussetzungen wie ein Studium oder einen bestimmten Abschluss.

Pflichtqualifikationen gelten nur für bestimmte Berufe. Dazu zählen etwa die klassischen freien Berufe wie Ärzt:innen oder Rechtsanwält:innen sowie einige meisterpflichtige Handwerksberufe. In allen anderen Bereichen – von Dienstleistungen über Handel bis zu vielen digitalen Geschäftsmodellen – ist entscheidend, was du kannst, nicht welchen Titel du trägst. Auch im Handwerk kannst du dich in vielen Fällen ohne Meistertitel selbstständig machen.

Auch die Vorstellung, man müsse als „Solopreneur:in“ ein besonderes unternehmerisches Talent mitbringen, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Fähigkeiten wie Kundengewinnung, Preisgestaltung oder Organisation sind keine angeborenen Eigenschaften, sondern lassen sich lernen – durch Praxis, Weiterbildung und Erfahrung.

Mythos 4: Selbstständige verdienen automatisch überdurchschnittlich viel?

Falsch

Selbstständigkeit wird oft mit hohem Einkommen gleichgesetzt. Die Realität ist deutlich differenzierter. Während einige Selbstständige sehr gut verdienen, liegt ein großer Teil unter dem Einkommensniveau von Angestellten – vor allem Solo-Selbstständige.

Aktuelle Zahlen zeichnen ein deutlich nüchterneres Bild. Laut einer Studie des Bundesverbands Freie Darstellende Künste lag 2023 das typische Jahresarbeitseinkommen von Solo-Selbstständigen (in Vollzeit tätig) in der Kreativ- und Kulturbranche bei rund 18.750 Euro brutto, also etwa 1.560 Euro monatlich vor Steuern und Abgaben. Fast 47 % der Befragten erzielten sogar weniger als 15.000 Euro pro Jahr aus ihrer selbstständigen Tätigkeit.

Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Solo-Selbstständige nicht ausschließlich von ihrer Selbstständigkeit leben. Wer selbstständig arbeitet und zusätzlich angestellt ist, kam 2023 auf ein typisches Bruttojahreseinkommen von rund 32.500 Euro, wobei der größere Teil aus der Anstellung stammte.

Der Unterschied liegt vor allem im Geschäftsmodell. Solo-Selbstständige tauschen ihre eigene Arbeitszeit gegen Geld, während Selbstständige mit Mitarbeitenden Aufgaben delegieren und mehrere Projekte parallel umsetzen können. Dadurch steigt der Umsatz pro eigener Arbeitsstunde – und damit auch das Einkommen. Zudem spüren Solo-Selbstständige Auftragsschwankungen dagegen direkter.

Hinzu kommt, dass der ausgewiesene Gewinn nicht dem verfügbaren Einkommen entspricht. Von diesem müssen Selbstständige Steuern, Krankenversicherung, Altersvorsorge und Rücklagen für schwächere Monate selbst finanzieren. Das relativiert vermeintlich hohe Einnahmen schnell.

Mythos 5: Selbstständigkeit funktioniert nur in Vollzeit?

Falsch

Viele glauben, Selbstständigkeit müsse von Anfang an ein Vollzeitprojekt sein. Tatsächlich ist die nebenberufliche Selbstständigkeit in Deutschland weit verbreitet und rechtlich klar geregelt. Gerade für den Einstieg ist sie für viele der realistischere Weg.

Wer neben einem Angestelltenjob selbstständig arbeitet, kann sein Einkommen sichern, erste Kund:innen gewinnen und das Geschäftsmodell in der Praxis testen – ohne sofort ins volle unternehmerische Risiko zu gehen. Entscheidend ist dabei vor allem, dass der zeitliche und wirtschaftliche Schwerpunkt weiterhin beim Hauptjob liegt.

➡️Selbstständig neben dem Vollzeitjob: 7 Jobs für deinen erfolgreichen Start in die nebenberufliche Selbstständigkeit

Mythos 6: Ist ein:e Steuerberater:in wirklich Pflicht?

Falsch

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht, eine Steuerberatung zu beauftragen. Stattdessen gilt: Du bist selbst dafür verantwortlich, deine Steuererklärungen korrekt und fristgerecht abzugeben. Ob du das allein machst oder Unterstützung nutzt, ist deine Entscheidung. Gerade bei überschaubaren Einnahmen und wenigen Belegen erledigen viele Selbstständige ihre Buchhaltung eigenständig, oft mit digitaler Unterstützung.

Ein:e Steuerberater:in kann allerdings sinnvoll sein, wenn:

  • die Umsätze steigen,
  • mehrere Einnahmequellen zusammenkommen,
  • oder besondere Themen wie Mitarbeitende, Investitionen oder ein Rechtsformwechsel hinzukommen.

➡️Steuerberater für Kleingewerbe & Kleinunternehmen – wann lohnt sich das und wann vielleicht nicht?

Mythos 7: Als Selbstständige:r muss man Mitglied in einer Interessenvertretung sein?

Falsch

Viele Selbstständige erhalten kurz nach der Gründung Post von Verbänden, Organisationen oder Netzwerken. Die offiziellen Schreiben wirken oft verpflichtend – sind es aber in den meisten Fällen nicht. Eine generelle oder gar gesetzliche Vorschrift, Mitglied in einer Interessenvertretung zu sein, gibt es in Deutschland – im Unterschied zu anderen Ländern – nicht.

Wichtig: Berufs- und Branchenverbänden kannst du freiwillig beitreten, musst es aber auch nicht. Davon zu unterscheiden sind berufsständische Versorgungswerke, die für bestimmte freie Berufe (z.B. Ärzt:innen oder Rechtanwält:innen) verpflichtend sind. Auch bei gesetzlichen Kammern greifen bestimmte Regelungen: Gewerbetreibende sind in der Regel Pflichtmitglieder der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder – bei handwerklichen Tätigkeiten – der Handwerkskammer (HWK). Diese Kammern sind jedoch keine klassischen Interessenvertretungen, sondern Körperschaften des öffentlichen Rechts mit gesetzlichem Auftrag.

💡 Gut zu wissen: Für Gründer:innen und sehr kleine Betriebe sind die Kammerbeiträge oft reduziert oder in den ersten Jahren ganz erlassen.

Mythos 8: Keine Steuern bei geringem Einkommen?

Falsch

Der Mythos hält sich hartnäckig: Wer wenig verdient, zahlt keine Steuern. Dahinter steckt meist der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer – doch der wird oft falsch verstanden.

Zwar fällt Einkommensteuer erst an, wenn dein zu versteuerndes Einkommen den Grundfreibetrag überschreitet (2025: 12.096 Euro für Ledige). Das bedeutet aber nicht, dass Selbstständige mit geringem Gewinn komplett steuerfrei sind. Denn: Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit zählt immer zum Gesamteinkommen und muss dem Finanzamt gemeldet werden.

Hinzu kommt, dass auch bei geringem Einkommen weitere Abgaben relevant sein können – etwa die Krankenversicherung oder die Umsatzsteuer, sofern keine Sonderregelungen wie die Kleinunternehmerregelung greifen.

Mythos 9: Mehr Ausgaben = immer weniger Steuern?

Falsch

Der Gedanke klingt logisch: Wer mehr für den Betrieb ausgibt, zahlt am Ende weniger Steuern. In der Praxis greift diese Rechnung aber zu kurz.

Zwar senken betriebsbedingte Ausgaben den Gewinn und damit grundsätzlich auch die Steuerlast. Die Ersparnis entspricht jedoch nur deinem persönlichen Steuersatz. Wer zum Beispiel 1.000 Euro ausgibt und einen Steuersatz von 30 % hat, spart rund 300 Euro Steuern – verliert trotzdem die restlichen 700 Euro für eine vielleicht unnötige Ausgabe.

Hinzu kommt: Nicht jede Ausgabe ist automatisch absetzbar. Das Finanzamt erkennt nur Kosten an, die klar beruflich veranlasst sind. Private oder unangemessene Ausgaben können ganz oder teilweise gestrichen werden. Außerdem geht jede Betriebsausgabe zunächst zulasten der Liquidität – das Geld ist also erst einmal weg, während die Steuerersparnis nur zeitverzögert wirkt und die Aufwendungen auch nur teilweise ausgleicht.

➡️Was kann man als Selbstständiger von der Steuer absetzen?

Mythos 10: Eine Buchhaltungssoftware ist nur etwas für Profis?

Falsch

Viele Selbstständige schrecken vor Buchhaltungssoftware zurück, weil sie kompliziert oder „zu professionell“ wirkt. Tatsächlich sind die meisten Tools heute gezielt für Selbstständige und kleine Unternehmen entwickelt – ohne tiefes Buchhaltungswissen.

Für viele reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) völlig aus. Genau darauf sind viele Programme ausgelegt: Sie helfen dabei, Einnahmen und Ausgaben übersichtlich zu erfassen, Belege digital zu speichern und steuerliche Pflichten strukturiert zu erfüllen.

Ein weiterer Vorteil: Die Buchhaltungssoftware unterstützt häufig GoBD-konformes Arbeiten. Das ist besonders wichtig, weil einfache Excel-Listen oder lose Belegsammlungen den gesetzlichen Anforderungen oft nicht genügen. Die Software sorgt für nachvollziehbare, unveränderbare Aufzeichnungen und hilft dabei, Belege strukturiert zu erfassen. So lassen sich typische Fehler vermeidenohne, dass die Buchhaltung unnötig kompliziert wird.

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Fazit: Gut informiert in die Selbstständigkeit starten

Viele Mythen rund um die Selbstständigkeit entstehen aus Einzelfällen, Halbwissen oder veralteten Annahmen. Sie zeichnen oft ein extremes Bild – und sind damit entweder zu abschreckend oder zu idealisiert. Die Realität ist deutlich differenzierter.

Weder arbeitest du automatisch rund um die Uhr, noch brauchst du zwingend ein Studium, eine Steuerberatung oder einen Vollzeitstart. Gleichzeitig ist Selbstständigkeit kein Selbstläufer: Einkommen, Arbeitszeit und Freiheit hängen stark von Geschäftsmodell, Planung und Organisation ab.

Wenn du die grundlegenden Spielregeln kennst, realistische Erwartungen mitbringst und strukturiert startest, bist du gut gerüstet, um in die Selbstständigkeit zu starten. Genau darum lohnt es sich, Mythen kritisch zu hinterfragen – und Entscheidungen auf Fakten statt auf Bauchgefühle zu stützen.

Häufige Fragen

Muss ich als Selbstständige:r wirklich alle Steuern selbst im Blick behalten?

Ja. Unabhängig davon, ob du mit oder ohne Steuerberatung arbeitest, bist du selbst dafür verantwortlich, alle deine Steuererklärungen korrekt und fristgerecht abzugeben. Digitale Tools können dir aber dabei helfen, den Überblick zu behalten.

Ist ein nebenberuflicher Start steuerlich oder rechtlich problematisch?

Nein. Die nebenberufliche Selbstständigkeit ist in Deutschland erlaubt und weit verbreitet. Wichtig ist nur, dass dein Hauptjob zeitlich und wirtschaftlich überwiegt und dein Arbeitgeber informiert ist, falls das vertraglich vorgesehen ist.

Ab wann lohnt sich eine Buchhaltungssoftware wirklich?

Für viele Selbstständige von Anfang an. Schon bei wenigen Einnahmen und Ausgaben hilft eine gute Buchhaltungssoftware wie Accountable, Belege sauber zu erfassen, Fehler zu vermeiden und deine steuerlichen Pflichten ordentlich zu erfüllen.

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Autor - Tino Keller

Tino Keller ist der Mitbegründer von Accountable und möchte damit Steuern und Finanzen für Selbstständige revolutionieren.

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Echte Erfahrungsberichte und Kommentare

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