Die Bundestagswahl 2025 liegt hinter uns. Während CDU/CSU und SPD derzeit in Koalitionsverhandlungen stehen, fragst du dich vielleicht: Was bedeutet das konkret für mich als Selbstständige:r? Welche politischen Entscheidungen stehen an? Wird es Entlastungen oder neue Pflichten geben? Die Wahlprogramme sind geschrieben, die Versprechen gemacht – doch was davon wird tatsächlich in Regierungshandeln übersetzt?
Selbstständige, Solo-Unternehmer:innen und Freelancer:innen haben in der deutschen Politik traditionell keinen starken Lobbyverband. Doch viele politische Entscheidungen betreffen genau dich – sei es bei Steuern, Sozialabgaben oder der viel diskutierten Rentenversicherungspflicht. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um einen Blick darauf zu werfen, was die neue Regierung für dich bringen könnte.
Wusstest du, dass rund 3,6 Millionen Menschen in Deutschland selbstständig arbeiten? Viele davon als Solo-Selbstständige, ohne Angestellte, in ganz unterschiedlichen Branchen wie IT, Medien, Beratung, Coaching, Design, Handwerk oder Bildung. Sie sind flexibel, innovativ und unverzichtbar für die deutsche Wirtschaft – doch politisch oft unsichtbar.
Und doch werden ihre Bedürfnisse in politischen Debatten häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Während das Sozial- und Steuerrecht stark auf klassische Erwerbsbiografien mit Festanstellung ausgerichtet ist, geraten die besonderen Herausforderungen der Selbstständigkeit schnell aus dem Blick: fehlende Absicherung, schwankende Einkommen, bürokratische Hürden und rechtliche Unsicherheit sind für viele an der Tagesordnung.
Gerade in Krisenzeiten wurde das deutlich - ob Corona-Pandemie oder Inflation - während Angestellte oft auf Kurzarbeitergeld oder staatliche Hilfen setzen konnten, standen viele Selbstständige vor existenziellen Problemen. Die Pandemie, steigende Energiepreise und wirtschaftliche Unsicherheiten haben gezeigt, dass Solo-Selbstständige oft wenig Absicherung und kaum Rücklagen haben. Wird sich das mit der neuen Regierung ändern?
Die Bundestagswahl 2025 hat die Frage neu aufgeworfen, welche Rolle Selbstständige in der politischen Agenda der kommenden Jahre spielen werden. Denn viele ihrer Herausforderungen sind nicht neu – sie begleiten Solopreneur:innen, Freelancer:innen und Kleinunternehmen seit Jahren. Doch bislang wurden diese Themen entweder nur punktuell adressiert oder politisch weitgehend ignoriert.
Wenn CDU/CSU und SPD nun über einen Koalitionsvertrag verhandeln, stellt sich erneut die Frage: Wird es konkrete Verbesserungen für Selbstständige wie dich geben – oder bleibt alles beim Alten? Ein Überblick über die zentralen Herausforderungen zeigt, worum es jetzt gehen müsste:
Viele Selbstständige sind nicht gesetzlich renten- oder arbeitslosenversichert. Die Absicherung erfolgt oft freiwillig, ist jedoch teuer, bürokratisch aufwendig und für viele schlicht nicht leistbar – insbesondere bei schwankenden Einkünften. Altersarmut, Einkommenslücken bei Krankheit oder fehlender Mutterschutz sind reale Risiken, die bislang nur punktuell adressiert werden. Kommt eine verpflichtende Einbindung in die gesetzliche Rente – und wenn ja, zu welchen Bedingungen?
Die Steuererklärung, Umsatzsteuervoranmeldungen, Künstlersozialkasse, Rechnungsvorgaben oder neue Anforderungen durch die E-Rechnungspflicht: Selbstständige sehen sich mit einer Vielzahl komplexer Regelungen konfrontiert. Dabei fehlt es nicht selten an klarer Kommunikation seitens der Behörden – oder an praxisnaher Unterstützung für Solo-Unternehmer:innen ohne Steuerberatung. Wird es endlich Vereinfachungen geben?
Die Debatte um Scheinselbstständigkeit sorgt seit Jahren für Unsicherheit – sowohl bei Auftragnehmer:innen als auch bei Auftraggebern. Weder das Statusfeststellungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung noch die aktuelle Gesetzeslage geben wirklich klare Leitlinien, wann eine selbstständige Tätigkeit wirklich als solche anerkannt wird. Viele Unternehmen meiden deshalb Solo-Selbstständige – aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen.
Ob in der Corona-Krise, bei hohen Energiepreisen oder wirtschaftlichen Abschwüngen: Selbstständige tragen das volle unternehmerische Risiko – oft ohne Rücklagen und ohne Zugang zu staatlichen Hilfen, die auf Angestellte zugeschnitten sind. Förderprogramme kommen häufig zu spät, sind zu eng gefasst oder setzen Bedingungen voraus, die viele gar nicht erfüllen können.
Obwohl Selbstständige ihre Altersvorsorge und Krankenversicherung selbst tragen, liegt ihre effektive Steuerlast oft auf einem ähnlichen Niveau wie bei Angestellten. Steuerrechtlich gelten sie zwar als Unternehmer:innen – politisch aber oft nicht als Unternehmen, was ihnen den Zugang zu Erleichterungen oder Sonderregelungen erschwert.
"Die generellen Herausforderungen für Selbstständige sind nicht neu – aber sie bleiben akut. Umso entscheidender ist die Frage, ob die künftige Bundesregierung sie aktiv angeht und praktikable Lösungen für diese höchst vielfältige Gruppe entwickelt."
– Tino Keller, Gründer von Accountable Deutschland
Nach der Bundestagswahl 2025 verhandeln aktuell CDU/CSU und SPD über die Bildung einer Regierung. Beide Parteien haben in ihren Wahlprogrammen Positionen formuliert, die auch Selbstständige betreffen – wenn auch oft eher am Rande. Welche Impulse kannst du für deine Arbeit also von dieser potenziellen Koalition erwarten?
Die Union stellt wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt. Für Selbstständige wie dich heißt das in erster Linie: weniger Bürokratie, steuerliche Entlastungen und innovationsfreundliche Bedingungen. Im Wahlprogramm finden sich Forderungen wie:
Bist du solo-selbstständig könnten sich daraus indirekte Vorteile ergeben – etwa durch einfachere Verwaltungsprozesse oder steuerliche Vereinfachungen. Direkte Maßnahmen zur sozialen Absicherung oder zur Lösung des Problems „Scheinselbstständig“ werden jedoch nicht genannt.
Die SPD will Selbstständige stärker in soziale Sicherungssysteme integrieren – insbesondere über eine Pflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung. Weitere Ansätze aus dem Wahlprogramm:
Der SPD-Ansatz zielt stärker auf soziale Gerechtigkeit und Absicherung, bringt aber auch potenzielle Mehrbelastungen und neue Pflichten mit sich – etwa höhere Beiträge zur Altersvorsorge oder ein verpflichtender Versicherungswechsel.
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In einer möglichen Großen Koalition könnten sich wirtschaftsliberale und sozialstaatlich geprägte Elemente vermischen. Für Selbstständige wie dich könnte das bedeuten:
Tino Keller, Mitgründer von Accountable und selbst Unternehmer, der mehrere Firmen gründete meint: "Was letztlich im Koalitionsvertrag steht, wird entscheidend dafür sein, ob Selbstständige mit echter Unterstützung oder mit neuen Hürden rechnen müssen."
Die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD bieten die Chance, die Rahmenbedingungen für Selbstständige in Deutschland grundlegend zu verbessern. Viele strukturelle Probleme sind seit Jahren bekannt – was fehlt, sind konkrete, politisch umsetzbare Lösungen. Damit Selbstständigkeit auch in Zukunft attraktiv, tragfähig und krisenfest bleibt, sollten folgende Themen Eingang in den Koalitionsvertrag finden:
Eine verpflichtende Altersvorsorge für Selbstständige kann sinnvoll sein – wenn sie flexibel und bezahlbar ausgestaltet ist. Modelle mit einkommensabhängigen Beiträgen, Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher Rentenversicherung und anderen Vorsorgeformen sowie Übergangsregelungen sind zentrale Voraussetzungen, um nicht zusätzliche Belastungen zu schaffen.
Auch in der Kranken- und Pflegeversicherung braucht es mehr Fairness: Die Mindestbeiträge für freiwillig gesetzlich Versicherte sind für viele Solo-Selbstständige nach wie vor zu hoch.
Du kennst wahrscheinlich das Problem, dass Selbstständige oft zu viel Zeit mit steuerlichen Pflichten, Anträgen und Dokumentationspflichten verbringen müssen. Der Koalitionsvertrag sollte konkrete Maßnahmen zur Entbürokratisierung und Digitalisierung enthalten – etwa:
Auch die Umsetzung der E-Rechnungspflicht sollte mit Augenmaß, praxistauglich und entlang klarer Übergangsfristen erfolgen.
Tino Keller sagt dazu: "Die geltenden Vorschriften rund um Scheinselbstständigkeit sorgen für Rechtsunsicherheit – sowohl bei Auftraggeber:innen als auch bei Selbstständigen. Der Koalitionsvertrag sollte sich dafür einsetzen, klare und nachvollziehbare Kriterien zu schaffen, die Rechtssicherheit ermöglichen, ohne die Vielfalt selbstständiger Erwerbsformen zu gefährden."
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass viele staatliche Hilfen an Selbstständigen vorbeigingen – weil Programme auf Angestelltenverhältnisse zugeschnitten waren oder auf Betriebe mit festen Lohnkosten. Künftige Koalitionen sollten dafür sorgen, dass Solo-Selbstständige im Krisenfall unbürokratischen Zugang zu Unterstützung erhalten – etwa über ein vereinfachtes Sicherungsgeld oder Soforthilfe-Mechanismen.
Selbstständige tragen ihre Absicherungskosten selbst, zahlen aber in vielen Fällen ähnlich hohe Steuern wie Angestellte. Der Koalitionsvertrag sollte prüfen, ob steuerliche Freibeträge, Sonderabschreibungen oder Pauschalen für Solo-Unternehmer:innen ausgeweitet werden können – gerade bei kleinen Einkommen.
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Wenn diese Punkte Eingang in die Koalitionsvereinbarung finden, wäre das ein wichtiges Signal: dass Selbstständige nicht länger nur mitgedacht, sondern konkret mitgestaltet werden.
Die Koalitionsverhandlungen laufen – und wie immer bei politischen Prozessen gilt: Entscheidungen werden nicht nur im Plenum, sondern auch hinter verschlossenen Türen getroffen. Doch auch wenn Selbstständige keine klassische Lobby haben, heißt das nicht, dass sie keine Stimme hätten. Es gibt unterschiedliche Wege, wie du als Selbstständige:r Einfluss nehmen und dich auf politische Veränderungen vorbereiten kannst:
Wer informiert ist, kann gezielter reagieren. Halte dich über verlässliche Quellen auf dem Laufenden – etwa durch:
Gerade wenn zentrale Vorhaben wie eine Rentenversicherungspflicht konkret werden, ist es wichtig, frühzeitig Klarheit zu haben.
Selbstständige können auch außerhalb klassischer Parteien Einfluss nehmen – z. B. durch:
Viele politische Entscheidungen werden im Dialog beeinflusst – Selbstständige dürfen und sollen sich dabei ruhig einbringen.
Der Austausch mit anderen Selbstständigen hilft, gemeinsam Anliegen zu formulieren und Position zu beziehen. Plattformen wie Twitter, LinkedIn oder berufliche Netzwerke bieten Raum für:
Denn oft fehlt es der Politik nicht am Willen – sondern an einem klaren Bild davon, wie vielfältig und relevant selbstständige Arbeit heute ist.
Unabhängig davon, was politisch passiert, lohnt es sich, das eigene Business stabil und zukunftssicher aufzustellen – z. B. durch:
Politik kann die Rahmenbedingungen verbessern – aber die eigene Krisenfestigkeit (neudeutsch: „Resilienz“) bleibt ein wichtiger Punkt, den jede:r selbst verantwortet.
Mit der Bundestagswahl 2025 und den laufenden Koalitionsverhandlungen eröffnet sich durchaus eine neue Chance, die Bedingungen für Selbstständige wie dich in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Viele der Probleme – von der lückenhaften sozialen Absicherung über unklare Rechtslagen bis hin zur steuerlichen und bürokratischen Belastung – sind seit Jahren bekannt. Doch bislang fehlte oft der politische Wille, daraus konkrete Verbesserungen zu machen.
Eine mögliche Koalition aus CDU/CSU und SPD steht nun in der Verantwortung, nicht nur über Unternehmen zu sprechen, sondern auch Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer:innen mitzudenken. Das bedeutet: klare Regeln statt Grauzonen, faire Absicherung statt zusätzlicher Belastung, echte Vereinfachungen im Alltag.
Als Selbstständige:r solltest du diese Phase nutzen, um dich zu vernetzen, sichtbar zu bleiben – und deine Interessen deutlich zu machen. Denn je mehr Stimmen gehört werden, desto schwerer fällt es der Politik, wieder zur Tagesordnung überzugehen.
20 Kapitel knallhart recherchiert und vom Steuerprofi geprüft
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Autor - Sophia Merzbach
Sophia ist seit vielen Jahren Teil des Accountable-Teams und verbindet journalistische Genauigkeit mit handfestem Steuerwissen.
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